Lieber Heini, was verbindest Du denn mit dem Begriff „Energiewende von unten“?
Energiesparen – Umstellen – Weg vom Fossilen - Hin zum Solaren, soweit es möglich ist
Glaubst Du, dass die Solarenergie das Wundermittel der Energieversorgung ist?
Solarenergie alleine nicht, aber Sonne, Wind und Holz gemeinsam können das. Vor allem aber gibt es überhaupt keinen Grund, warum wir nicht mit wesentlich weniger Energieverbrauch ein glückliches Leben führen können sollten.
D.h. für Dich ist der bewusste Umgang mit der zur Verfügung stehenden Energie sehr wichtig
Das finde ich sogar irgendwie eine Notwendigkeit, wenn man ein bisschen einen brüderlichen Auftritt auf dieser Welt andenken will, dann geht es nicht, dass wir wahnsinnig viel Energie verpulvern und so den wesentlichen Beitrag zur Klimaerwärmung liefern. Und es ist ja in keiner Weise irgendwie ersichtlich, dass wir durch den überhöhten Energieverbrauch unser Glück steigern würden. Es ist einfach ein Irrweg.
Wie versorgt sich den GEA bzw. Waldviertler mit Strom?
Bei uns haben wir, so möchte ich fast sagen, eine spektakuläre Lösung gefunden: Wir haben jetzt im letzten Jahr knapp 90% vom Stromverbrauch aus der Photovoltaik geholt und werden nach der Ausbaustufe 2012 doppelt so viel Strom von der Sonne kriegen, wie wir in der Firma in Schrems mit 120 MitarbeiterInnen derzeit verbrauchen. Das ist eine geile Sache. Die ist möglich geworden durch Kleindarlehen, die uns unsere KundInnen gegeben haben. Und zwar haben uns über 2000 KundInnen über 800.000 € geliehen. Und mit diesem Geld werden wir auf rund 400 kWh Produktion pro Jahr kommen. Zusätzlich haben wir noch seit letztem Herbst unsere Heizung auf Holz umgestellt und unsere Gebäude gedämmt. Wir heizen insgesamt 7000m² Räumlichkeiten / Werkshallen usw. In den drei vorhergehenden Jahren haben wir in Summe ca. 105.000€ für Erdöl/Erdgas bezahlt. Sprich 35.00€ pro Jahr. Im letzten Winter haben wir hingegen nur 10.000€ für Holzbeheizung verbraucht. Das Tolle dabei ist, dass diese 10.000 € fürs Holz in der Region bleiben.
Wäre es ohne die Dämmung auch günstiger gekommen mit Holz zu heizen?
Es wäre vermutlich nur eine Spur billiger gekommen. Ich schätze mal 20-25.000€. Aber durch die Dämmung haben wir das halbiert. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass wir vor drei Jahren für Heizung und Strom 55.000 € gebraucht haben.
Im letzten Jahr haben wir für Strom und Heizung zusammen sogar nur 7000€ bezahlt: 10.000€ fürs Holz MINUS 3.000€ für Netto Stromlieferungen durch die PV Anlage. Trotzdem: Diese Finanzzahlen sind nette Effekte, aber sie sind nicht das Hauptmotiv, warum wir das machen.
Was für ein Gefühl ist es denn eine Firma nachhaltig mit Ressourcen zu versorgen? Geld ist zwar wichtig, aber ich nehme an es gibt noch andere Beweggründe sich so zu engagieren?
Ohne jeden Zweifel. Ich würde sagen, ab dem Moment wo man genügend Geld zum Überleben hat, sollte man Geld nur mehr sinnstiftend verwenden.Das macht mir im Grunde genommen große Freude. Mit dem Privatgeld habe ich 2003 aufgehört. D.h. die Vermehrung von persönlichen Finanzguthaben ist kein Motiv mehr. Sobald ein Geld verfügbar ist, können wir jetzt fröhlich und unbefangen fragen: „Was ist das klügste, was wir mit dem Geld machen können?“. Und neben den Energiegeschichten machen wir auch viel für die Gesundheit unserer MitarbeiterInnen, und das taugt mir.
Seid ihr denn ein Vorbild für die anderen Firmen in der Region?
Im Jahre 2003 haben wir mit der PV in Schrems begonnen und da haben sie uns als verrückt abgestemeplt. Und jetzt habe ich das Gefühl, dass die SchremserInnen wahnsinnig stolz auf unsere Firma sind. Inzwischen haben wir auch unzählige NachahmerInnen im Ort. In Schrems werden wir mit Ende des Jahres für über 1 MWpeak PV Anlagen installiert haben. Da sind sowohl Private als auch Firmen dabei. Auch toll ist, dass Menschen aus unserer Firma diese Prozesse im Ort mit persönlichem, liebevollem Engagement begleiten.
Energiewende ist seit ein paar Jahren ein Thema, trotzdem habe ich den Eindruck, dass da nicht so viel weitergeht wie es sollte. Täuscht mich der Eindruck oder woran liegt das?
Ich finde, auch, dass zu wenig weitergeht. Harald Welzer sagt das auch im Jahr 2011 der Energieverbrauch wieder angestiegen ist und zwar weltweit und ich finde das auf der einen Seite traurig und auf der anderen Seite glaube ich ,dass der Blick nach außen die Orientierung erschwert. Es gibt den schönen Spruch: „Das Herz der Revolution ist die Revolution der Herzen“. Demgemäß hoffe ich, dass wir uns vom kollektiven Unsinn unserer Konsumgesellschaft und von der zerstörerischen Herrschaft der Banken befreien und uns zu einer bescheideneren bewussteren Lebensweise und damit zu einer lebensbejahenden Gesellschaft entwickeln werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass der notwendige Weg längst in uns als schlummernde Sehnsucht vorhanden ist. Dazu müssen wir uns ermutigen, dieser Sehnsucht zu folgen und aus den Sachzwängen auszusteigen, die uns häufig fesseln und gefangen halten in destruktiver Aktivität.
Man glaubte ja jahrzehntelang wir könnten uns mit immer mehr Geld immer mehr vom Leben kaufen. Obwohl seit der Antike klar ist, dass wenn Du jemanden helfen willst glücklich(er) zu werden, dann hilf ihm von einigen Wünschen zu lassen und bemüh dich nicht alle seine Wünsche zu erfüllen. Fokussierung auf die wichtigen Wünsche!
Sind die Menschen zu faul, die Wirtschaft zu mächtig?
Naja, ich hab das Gefühl ,dass die Politik in der Geiselhaft vom Kapital ist. Beispiel: Ich habe vor kurzem einen Newsletter gelesen: „USA heben Schutzzölle für chinesische Solarzellen ein“. Der Autor des Artikels meint darin aber, es geht nicht darum die heimische Solarbranche zu schützen, sondern eher darum die Öl- und Autoindustrie zu schützen, die kein Interesse an dezentraler Energieversorgung hat, sondern auf Monopolwirtschaft und Abhängigkeit basiert.
Wie stehst Du zur Wasserkraft in Österreich?
Kleinwasserkraft kann funktionieren. Die Energienetze müssen kleinmaschiger rekonstruiert werden. Die amerikansiche Forscherin Ostrom (Nobelpreisträgerin) hat gesagt: Es fällt dem Menschen leicht Verantwortung zu übernehmen, in überschaubaren Räumen und ich erinnere mich an folgendes Beispiel: 20 Familien leben an einem See und ernähren sich von dessen Fischen. Die werden den See nie und nimmer leer fischen. Aber der Atlantik mit all den angrenzend Ländern wird leer gefischt, weil jedes Land für sich versucht, das meiste rauszuholen. Damit gefährden sie aber den Gesamtbestand. Die EVN hat ja mal postuliert: „Energie vernünftig nutzen“ und da glaub ich, dass das in engmaschigeren kommunalen Netzen wesentlich leichter ginge. Und mit der großen Macht der Konzerne ist diese Energiewende nicht wirklich zu machen. Weil sie sich viel zu sehr auf ihren Machterhalt verstehen. Und wenig zu einer nachhaltigen dezentralen Energiewirtschaft der Zukunft beitragen wollen bzw. können.
Das darf man den Energieversorgern ja gar nicht so ankreiden. Die haben ihr Businessmodell und das lautet Gewinn durch Stromverkauf. Wenn diese Firmen nun Geld verdienen, dann müssen sie eigentlich gemäß ihres Businesscases am Ende des Jahres natürlich in noch mehr Stromproduktion investieren.Der größte Energieversorger in Österreich ist der Verbund: Dieser hat in den letzten Jahren massiv in fossile Kraftwerke (Gaskraftwerke, Mellach 800MW) investiert.Was würdest du denn dem Herrn Anzengruber in einem 4-Augen Gespräch gerne sagen:
Ich glaube wir müssen andere gesellschaftliche Ziele und Werte anpeilen, die sich nicht in Dollar und Euro ausdrücken lassen, sondern in Wohlbefinden und da hab ich das Gefühl, dass diese Methodik von „Immer noch mehr egal wofür“ der falsche Weg ist. Wenn man Träume haben darf, könnte der Verbund ein wertvoller Mitspieler im Umbau sein. Man kriegt aber leider nicht das Gefühl, dass dieser Umbau vom Verbund gewünscht wird. Da gabs doch letztens wieder so eine Förderjagd im Internet: in manchen Bundesländern wurden die Fördertöpfe binnen weniger Sekunden ausgeschöpft. Man merkt, dass die Leute gerne mit Leidenschaft mitmachen wollen würden. Auch die Förderhöhen der letzten Jahre kann man diskutieren. Mit demselben Kuchen hätte man auch wesentlich mehr Leute fördern können. Im Großen und Ganzen nähern wir uns aber eh dem Zeitpunkt wo die Anlagen so billig werden, dass die 18ct schon fast ausreichen. Ich glaube auch, dass gerade in dieser Szene Leute mitmachen möchten, denen es nicht um Gewinn geht, sondern um einen sinnvollen Beitrag zu einer lebensbejahenderen Zukunft.
Wie kann sich da ein Verbund einbringen? Kann er das überhaupt?
Wahrscheinlich sogar ohne Machtverlust. Durch Nutzung des Netzwerks als Batterie. Der Verbund würde den Überschuss und Mehrbedarf über das Netz abdecken. Die Grundlast aber, würde über eine dezentrale Produktion sichergestellt werden. Vielleicht wärs ja auch sinnvoller, die Gelder die derzeit in GasKWs gesteckt werden, besser gleich in saubere Energien zu stecken und natürlich wieder die Leute daran zu beteiligen. Der Investkuchen wäre damit auch wesentlich höher.
Bei Mellach als Beispiel wären es 400 Mio € als Ausgangskapital. Mit einer BürgerInnenbeteiligung könnte sich diese Summe mehr als verdoppeln!
Genau, warum sollte der Verbund nicht als österreichisches Unternehmen auf jedes Haus in Österreich, gemeinsam mit den BürgerInnen eine PV Anlage bauen, um für das Haus den Strom Vorort zu produzieren. Noch dazu, wenn über ein Beteiligungsmodell die Investkosten des Verbundes vermutlich bei lediglich 20-25% lägen.
Wie siehst du GEA, Österreich evt. die Welt in 20 Jahren
GEA ist die Göttin der Erde, Gaia haben sie in Athen dazu gesagt und GEA in Ephesos. Daher kommt der Name. Ursprünglich hatte ich mit Earth Shoes begonnen. Da wollte dann aber ein Amerikaner Namensrechte geltend machen und Schutzgebühr verlangen. Deshalb bin ich auf GEA ausgewichen. Da ich griechisch in der Schule hatte und daher wusste, dass GEA die Göttin der Erde bedeutet. Und wie meine Firma in 20 Jahren aussieht? Hmm, wir schauen, dass wir ein Labor der Zukunft sind, in welchem wir sinnvolleres Wirtschaften ausprobieren. Wir werden die Waldviertler Werkstätten heuer noch in eine Genossenschaft umwandeln, wo einerseits unsere MitarbeiterInnen und HandelspartnerInnen eingeladen sind MitbesitzerInnen zu werden aber auch unsere KundInnen. Wir möchten auch Spielregeln für diese Genossenschaft entwickeln. Die letztendlich den Zielen der französischen Revolution folgen: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit
Freiheit fürs Individuum und die Kunst, Gleichheit vor dem Gesetz und Brüderlichkeit und Geschwisterlichkeit in der Wirtschaft. Ergänzend zu diesen Werten muss man heute noch im Bereich Ökologie den Begriff Nachhaltigkeit ergänzen. Schöpfungsverantwortung und ein bewusster Umgang mit dieser unserer Erde.
Herzlichen Dank!

